Englische Verbkategorien und der Satzbau (I)

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Englischdozentin werde ich immer wieder darum gebeten, den Satzbau mit meinen Teilnehmern durchzugehen. Natürlich stark vereinfacht, da es Kurse in den Niveaustufen A1 bis A2 sind (Anfängerniveau). Dabei sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die eine Logik und ein System in die von Teilnehmern oft als verwirrend empfundenen Satzstrukturen von Aussage- und Fragesätzen bringen.

Schauen wir uns zuerst einmal die vereinfachte Satzstruktur im Englischen an:

1) Aussagesatz

Mary wrote a letter in her room yesterday.

Dieser Satz besteht aus den folgenden Satzgliedern:

Mary              wrote                a letter             in her room                           yesterday.
Subjekt (s)      Vollverb (V)     Objekt (O)      örtliche Bestimmung (lok)      zeitliche Bestimmung (temp)

Verallgemeinert besteht ein einfacher englischer Aussagesatz aus folgender Grundstruktur:
S — V — (O) — (lok) — (temp).

Dabei bedeuten die Klammern, dass diese Satzteile nicht zwingend notwendig sind.

Die Kernsatzstellung eines bejahten englischen Aussagesatzes ist S — V — O. Zwischen diese Kernzelle dürfen sich nur wenige Satzteile schieben; die Bestimmungen (lok) und (temp) gehören nicht dazu. Auch die Reihenfolge dieser Kernzelle darf sich nicht verändern.

Wenn Satzglieder vorangestellt werden (oftmals für besondere Betonung), ändert sich die Kernzelle nicht — im Gegensatz zum Deutschen, wo das Subjekt dann an andere Stelle im Satz rutscht und quasi Platz macht.

Yesterday, Mary wrote a letter in her room.

Jetzt können wir diesen Satz natürlich noch erweitern. “write” ist ein dreiwertiges Verb, es kann also das Subjekt, ein direktes und ein indirektes Objekt haben. Bisher haben wir nur das direkte Objekt (was wird geschrieben). Fügen wir doch mal ein indirektes Objekt, in diesem Fall den Adressaten, hinzu:

Mary wrote a letter to her best friend in her room yesterday.
S        V      Odirekt   Oindirekt          lok              temp

Das indirekte Objekt wird hier hinter das direkte Objekt gestellt (das eben direkt nach dem Verb folgt). Diese Reihenfolge wird nur umgedreht, wenn das indirekte Objekt ein Pronomen ist; in diesem Fall wäre die Reihenfolge Oindirekt — Odirekt.

Mary wrote her a letter in her room yesterday.

Fügen wir ein einfaches Adverb der Art und Weise oder ein Adverb der Häufigkeit hinzu, sehen wir zum ersten Mal ein Element, dass innerhalb der Kernzelle auftaucht:

Mary quickly wrote her a letter in her room yesterday.
S        Adv ->  V      Oi   Od      lok              temp

Das Adverb steht in diesem Fall direkt vor dem Vollverb (dargestellt durch den Pfeil). Warum das wichtig ist, sehen wir gleich.

Ein Aussagesatz kann auch ein Hilfs- oder Modalverb besitzen, das an der Stelle HV (zwischen S und V) eingefügt wird:

Mary can speak English
S       HV  V      O

2) Negation (verneinter Aussagesatz)

Mary did      not quickly write her a letter in her room yesterday.*
S       HV <- N   Adv ->  V    Oi   Od     lok              temp

Hier passiert jetzt etwas interessantes: Wir fügen nicht nur die Verneinung (N) hinzu, sondern müssen diesem Satz zusätzlich die Stelle HV (Hilfsverb) hinzufügen. Die Verneinung muss im Englischen nämlich direkt hinter HV stehen. Die Kernzelle wird im verneinten Aussagesatz also durch die Stellen HV und N erweitert und sieht so aus:
S — HV — N — V — (O)

Der Rest des Satzes folgt dem Objekt (oder den Objekten) wie gehabt.

3) Entscheidungsfrage

Im Vergleich zum Aussagesatz (1) ändert sich die Satzstruktur bei der Entscheidungsfrage nur um eine Position: Wir fügen die Stelle HV hinzu, und zwar direkt vor dem Subjekt:

Did    Mary write a letter in her room yesterday? *
HV ->  S       V     O        lok              temp

4) Ergänzungsfrage

Die Ergänzungsfrage ist eine Frage nach einem Satzteil (also einer Ergänzung) und benötigt daher ein Fragewort. Das Fragewort ersetzt quasi den entsprechenden Satzteil und steht der Frage voran (Satzstruktur ansonsten wie bei der Entscheidungsfrage):

When     did     Mary write a letter in her room?
F(temp)  HV ->  S     V      O        lok

Where  did     Mary write a letter yesterday?
F(lok)   HV -> S      V     O         temp

What did     Mary write in her room yesterday?
F(O)  HV -> S       V     lok              temp

4.1) Ergänzungsfrage nach dem Subjekt

Eine Besonderheit gibt es bei der Ergänzungsfrage nach dem Subjekt. Wir hatten gesagt, HV muss direkt vor dem Subjekt eingefügt werden. Da wir in dieser Frage aber kein Subjekt haben (sondern F(S)), fügen wir auch kein HV ein, da es nicht am Subjekt “andocken” kann. Falls die Position HV natürlicherweise besetzt ist (z. B. durch ein Modalverb wie “can”), steht sie wie gehabt nach dem Fragewort F.

Who wrote a letter in her room yesterday?
F(S)  V        O        lok              temp
Who can speak English?
F(S)  HV   V       O
* Die Verbeigenschaften Tempus, Numerus und Genus übertragen sich auf den ersten Prädikatsteil (also hier die Stelle HV). Der zweite Prädikatsteil (V) ist in Sätzen mit HV eine infinite Verbform (Grundform, Partizip Präsens, Partizip Perfekt, Gerundium).
5) Die Verbkategorien
Anmerkung: Die oben verwendeten Termini “Vollverb” und “Hilfsverb” sind der Einfachheit halber gewählt worden, auch wenn mehrere Verbkategorien jeweils die Stellen von HV und V einnehmen können. Meine Einteilung weicht daher ein wenig von den üblichen Verbeinteilungen ab.
A) Vollverben
Die hierunter fallenden Verben sind alle Verben, die die Position V im Satz einnehmen können. Die Gruppe der Vollverben kann noch weiter unterteilt werden:
Aa) echte Vollverben
Sie tragen die Verbbedeutung im Satz und können als alleiniges Prädikatsteil im Satz stehen. Echte Vollverben stehen immer an der Position V.
Ab) modifizierende Vollverben
Sie verhalten sich syntaktisch (in der Satzstruktur) wie Vollverben, haben semantisch (in der Satzbedeutung) aber alle Merkmale der Modalverben. Ihnen gemein ist die Tatsache, dass sie im Satz an der Position V stehen und einen Infitiniv (Grundform) eines echten Vollverbs mit “to” anschließen. Zu dieser Gruppe zählen z. B. “want to” (wollen), “have to” (müssen), “need to” (müssen).
Ac) Passiv-Verben
Passiv-Verben verhalten sich syntaktisch wie Vollverben und stehen an der Position V. Semantisch drücken sie aber einen Passiv aus und schließen den Verursacher, genau wie beim “echten Passiv”, mit “by” an. Beispiel: I get my house cleaned by a young lady. Dieser Form des Passiv ist eigen, dass nach der üblichen Kernzelle S — V — O das Partizip Perfekt des echten Vollverbs des Satzes folgt (nämlich des Verbs, das die Bedeutung trägt). Im Vergleich zum echten Passiv steht bei Sätzen mit Passiv-Verben der Nutznießer oder Veranlasser der Aktion an der Position S (in diesem Fall “I”). Vertreter dieser Verbkategorie sind “get” und “have”.
Weder Verben der Kategorie Ab noch Ac dürfen im Satz alleine stehen.
B) Hilfsverben
Der Kategorie der Hilfsverben ist eigen, dass sie im Satz immer an der Stelle HV stehen müssen und demnach nie alleine stehen dürfen. Die Kategorie der Hilfsverben unterteilt sich ebenfalls in drei Unterkategorien:
Ba) echte Hilfsverben
Echte Hilfsverben sind die Verben, die zusammen mit einem Vollverb die zusammengesetzten Zeiten (hier eingeschlossen die Verb-Modi) bilden. Das Vollverb steht in dieser Kombination immer in einer infiniten Form. Die echten Hilfsverben im Englischen sind “be”, “have”, “will” und “would”.
Bb) Modalverben
Modalverben modifizieren das folgende Vollverb, das immer im Infinitiv steht. Die Modalverben sind keine “vollständigen Verben”, das heißt, sie können nicht in alle englischen Zeiten gesetzt werden. Modalverben haben nur (max.) zwei Formen, nämlich die beiden echten Zeitformen des simple present und des simple past (alle anderen Zeitformen des Englischen müssen mit Hilfe von echten Hilfsverben gebildet werden). In den zusammengesetzten Zeiten verwendet die englische Sprache anstelle von Modalverben modifizierende Vollverben oder Phrasen mit “be” (z. B. “be able to” für “can/could”). Die englischen Modalverben sind die folgenden: can/could, may/might, shall/should, must*, need**
* von “must” gibt es nur noch die Form des simple present
** “need” wird in der Regel nur noch in der verneinten Form needn’t als Verneinung von “must” (nicht müssen) als Modalverb verwendet; ansonsten gehört es heutzutage zur Kategorie der modifizierenden Vollverben
Bc) dummy-do
Wann immer die englische Satzstruktur nach der Stelle HV verlangt, diese Stelle aber nicht durch ein echtes Hilfsverb oder ein Modalverb besetzt werden kann, muss ein sogenanntes dummy-do eingesetzt werden. Sein einziger Zweck liegt darin, die zwingend erforderliche Position HV zu besetzen; es hat keine eigene Bedeutung.
C) “be”
Das Verb “be” kann als echtes Hilfsverb fungieren (z. B. für die Bildung des echten Passiv, oder der Progressive-Zeiten, siehe Unterkategorie Ba). In allen anderen Fällen aber verhält es sich weder wie ein Hilfsverb (Kategorie B) noch wie ein Vollverb (Kategorie A). Es kann alleine in einem Satz auftauchen wie ein Vollverb, es kann aber auch direkt verneint werden (was eigentlich nur Hilfsverben der Kategorie B können) und nimmt in Fragen die Position HV ein, während in beiden Fällen die Position V leer bleibt. Daher erhält es als “große Ausnahme” von mir eine eigene Kategorie mit folgenden Merkmalen:
“be” besetzt immer die Position HV (in einfachen Aussagesätzen und in Subjekt-Ergänzungsfragen ist diese Position möglich, aber nicht zwingend erforderlich), während die Position V immer leer bleibt.

Semantik — Was wir sagen … was es bedeutet … wahr oder falsch?

In der Semantik geht es um die Satzbedeutung (= Bedeutung der Elemente des Satzes) und die Äußerungsbedeutung (= Wahrheitsgehalt bezogen auf den situativen Kontext).

Jeder Ausdruck hat eine Denotation (= ursprüngliche Bedeutung; die Denotation von “Mann” und “Kerl” z. B. ist die gleiche), eine Extension (= Referenten in der aktuellen Welt) und eine Intension (= die Menge aller Referenten dieses Ausdrucks in allen möglichen Welten).

Wortbedeutung (lexikalische Semantik)

Es gibt in der lexikalischen Semantik zwei Hypothesen zur Kategorisierung von Wörtern: die Merkmalshypothese, die jedem Wort ein Merkmalsbündel zuordnet (bei “Frau” z. B. [-ABSTRAKT], [+BELEBT], [+HUMAN], [+WEIBLICH], [+ERWACHSEN]) (und die ich persönlich nicht sonderlich zielführend oder logisch finde); und die Prototypentheorie, die davon ausgeht, dass jede Kategorie einen typischen Vertreter hat, den Prototyp, dem die anderen Vertreter der Kategorie mehr oder weniger ähnlich sehen. Wie genau so ein typischer Vertreter, oder Prototyp, aussieht, hängt von diversen Faktoren ab (z. B. der Region, in der man aufgewachsen ist) und ist nicht für jeden gleich.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der lexikalischen Semantik ist die Untersuchung von Sinnrelationen, also zu gucken, in welcher Beziehung zwei Wörter zueinander stehen. Eine Auswahl dieser Beziehungen:

Synonymie
Echte Synonymie, also Gleichbedeutung zweier Wörter, ist selten. Im Deutschen wären Beispiele dafür Orange Apfelsine, oder Couch Sofa.

Antonymie
Antonymie bezeichnet die Gegensätzlichkeit. Zumeist wird dieser Begriff auf Adjektive angewendet. Dabei werden zwei Arten der Antonymie unterschieden: die kontradiktorische Antonymie (Komplementarität), oder ausschließende Antonymie (z. B. tot — lebendig); und die konträre Antonymie, bei der es zwischen zwei gegensätzlichen Polen unterschiedliche Grade gibt (z. B. heiß — kalt).

Hyponymie / Hyperonymie
Hier handelt es sich um die Unter- (Hyponymie) bzw. Überordung (Hyperonymie) von Begriffen (z. B. Mädchen — Kind).

Kohyponymie
Kohyponyme haben das gleiche Hyperonym, also den gleichen Oberbegriff (z. B. Spatz, Amsel — Vogel).

Meronymie
Wenn eine Teil-Ganzes-Beziehung vorliegt, sprechen Linguisten von Meronymie.

Polysemie
Hierunter fallen unterschiedliche Bedeutungsvarianten eines Wortes, die von derselben Kernbedeutung abstammen (z. B. Schule als Institution, Schule als Gebäude).

Homonymie
Unter Homonymie versteht man die Gleichheit zweier Wörter. Unterbegriffe sind Homophonie (gleiche Aussprache) und Homographie (gleiche Schreibweise).

Polysemie und Homonymie lassen sich unter Ambiguität (lexikalische Mehrdeutigkeit) zusammenfassen.

Satzbedeutung — die Logik in der Sprache

Aussagenlogik befasst sich nicht mit den Inhalten, sondern nur mit den Wahrheitsgehalten von Aussagen.
Eine Tautologie ist eine Aussage, die logisch wahr ist, während eine Kontradiktion eine Aussage ist, die logisch falsch ist. Kontrarität entsteht hingegen dann, wenn zwei Sätze nicht gleichzeitig richtig, aber gleichzeitig falsch sein können.
Paraphrasen sind synomyme Sätze.
Eine Implikation (Inklusion) liegt dann vor, wenn ein Satz p wahr ist und daraus folgt, dass ein Satz q auch wahr sein muss.

Thematische Rollen

Thematische Rollen sind Kategoriebegriffe für die Argumente von Prädikaten, z. B.:
AGENS
PATIENS / THEMA
ADRESSAT (GOAL)
QUELLE (SOURCE)
ORT / LOKATION
INSTRUMENT
EXPERIENCER
POSSESSOR