Auslautverhärtung Türkisch vs. Deutsch

Gestern Abend im Türkischkurs saßen wir an einer Übung, als meinem Sitznachbarn (auch Linguist) und mir etwas auffiel: Die türkische Sprache hat ebenfalls Auslautverhärtung, nur dass sie auch das Graphem entsprechend anpasst. Sprich: Im Türkischen sieht man an der auslautverhärteten Form leider nicht mehr die Grundform, so dass es auf den ersten Blick schwer zu sehen ist, welche Konsonanten sich bei Anhängung von Suffixen zurück in die ursprünglich stimmhafte Form ändern.

Für alle Nicht-Linguisten:

Im Deutschen sprechen wir [hʊnt], schreiben aber . Wir machen aus dem stimmhaften /d/ am Wortende also ein stimmloses /t/. Im Plural hingegen sprechen wir das /d/ [hʊndə].

Im Türkischen wird [kitap]² allerdings geschrieben, während die zugrundeliegende Form ein /b/ beinhaltet, wie man an der Form sieht.

Ich habe eine ganze Weile lang hin- und herüberlegt, welche Herangehensweise an dieses Problem ich besser finde. Die deutsche Sprache schreibt bei Auslautverhärtung nach dem morphologischen Prinzip, behält also den Konsonanten der zugrundeliegenden Form bei, um die Verwandtschaft der Wörter zu kennzeichnen. Die türkische Sprache auf der anderen Seite schreibt nach dem phonographischen Prinzip und schreibt in jeder Wortform das Graphem, das der phonologischen Repräsentation entspricht.

Die phonographische Schreibweise erleichtert die intuitive Aussprache eines geschriebenen Wortes wie auch die korrekte Rechtschreibung eines gehörten Wortes, während die morphologische Schreibweise … nun, im Fall der türkischen Sprache würde sie die korrekte Aussprache und Bildung der flektierten Formen deutlich erleichtern.

Was nun besser ist? Es kommt auf das Anwendungsgebiet der Prinzipien an, denke ich. Im vorliegenden Fall der Auslautverhärtung finde ich die morphologische Schreibweise besser, auch wenn man zu Beginn lernen muss, dass die Endkonsonanten stimmlos gesprochen werden, auch wenn sie als stimmhafte Konsonanten geschrieben werden. Aber das ist eine Regel, die man relativ leicht und schnell verinnerlichen kann. Und für die korrekte Schreibweise der Form mit Auslautverhärtung gibt es immer noch die Möglichkeit, die Form entsprechend zu erweitern, z. B. [hʊnt] -> [hʊndə]. Auf der anderen Seite zu erkennen, bei welchen Wörtern eine Auslautverhärtung stattgefunden hat, die bei Flektierung wieder rückgängig gemacht wird, finde ich ungleich schwieriger. Aber das ist nur meine Auffassung ^^

² Ich hoffe, ich habe das türkische Wort richtig transkribiert …

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