Linguistik-Studium, und dann? Oder: "Studier doch was Anständiges!"

Ich habe am Sonntag eine Email eines Lesers bekommen, in der ich gefragt wurde, was man denn nach einem Linguistik-Studium so beruflich machen kann. Gerne greife ich die Frage hier auf.

Lieber Jan,

die Berufsfelder, in die man nach einem Linguistik-Studium einsteigen kann, sind zahlreich. Der erste Gedanke, den die meisten haben, ist vermutlich die Verlagsbranche. Gute Lektoren mit einem sicheren Gefühl für Sprache, Stil und Rechtschreibung sind gefragter denn je in unserer heutigen Zeit, da nicht nur Verlage Lektorendienste benötigen, sondern immer mehr Autoren direkt Lektoren beauftragen. Wer also schon immer viel gelesen hat, einen Blick für “gute” und “schlechte” Bücher hat und die Freiberuflichkeit nicht scheut, hat gute Chancen im derzeitigen Veröffentlichungsschlaraffenland.

Eine weitere Möglichkeit wäre ein anschließendes Masterstudium “Deutsch als Fremdsprache”, um anschließend unter die Sprachlehrer und freien Dozenten zu gehen. Mögliche Auftraggeber oder Arbeitgeber wären hier z. B. Volkshochschulen, Weiterbildungsinstitutionen, Sprachschulen, im In- und Ausland.

Auch Zeitungen suchen guten Nachwuchs. Ein abgeschlossenes Linguistik-Studium sollte zumindest den Einstieg in diese Branche erleichtern, auch wenn es nicht ganz leicht ist, als Journalist Fuß zu fassen.

Doch gute Deutschkenntnisse sind nicht nur in den klassischen Branchen gefragt. Im Prinzip stehen einem überall dort, wo stilsichere und saubere Texte verfasst / redigiert / lektoriert / korrigiert werden müssen, Türen offen. Ob in einem millionenschweren Unternehmen in der Marketingabteilung, als Redenschreiber in der Politik, im mittelständischen Unternehmen im Büro, im Übersetzungsbüro, in der Pressestelle eines NGOs, …

Mein Tipp: Teste schon vor und während des Studiums durch Praktika aus, welche Bereiche dich reizen würden und wo deine Talente liegen. Knüpf Kontakte, und nutze sie. Geisteswissenschaftler sind längst nicht so “uneinstellbar”, wie ihr Ruf suggeriert; man muss bloß wissen, wo man suchen muss 😉

Ich hoffe, diese Antwort hilft dir erst mal weiter. Ich selber arbeite übrigens als VHS-Dozentin und unterrichte Englisch, und habe davor jahrelang als freiberufliche Lektorin und Übersetzerin gearbeitet (nach einer Ausbildung zur kfm. Assistentin Fremdsprachen) — und jetzt studiere ich Linguistik, weil mich das Thema persönlich unheimlich reizt und ich mehr wissen will: über Sprache, Sprachgeschichte, Spracherwerb …

Liebe Grüße,
Theresa

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