Die Flüchtlinge verändern unser Land? Ja, bitte!

Immer wieder lese ich Schreckensszenarien von Leuten, die Angst haben, dass die vielen Flüchtlinge unser Land und unsere Gesellschaft verändern könnten. Wenn nachgewiesen wird, dass ein Flüchtling eine Straftat begangen hat, heißt es sofort: “Haben wir es doch gewusst, die scheren sich nicht um unsere Gesetze!” Nach den Vorfällen in Köln werden Stimmen laut, die schreien: “Kein Wunder, deren Kultur hat ja auch ein völlig krankes Frauenbild!” Wenn man den Leuten zuhört, die am lautesten schreien, bekommt man den Eindruck, diese Flüchtlinge seien alles zukünftige Straftäter, Sozialschmarotzer, Terroristen und überhaupt weniger wertvolle Menschen. Flüchtlingsunterkünfte anzünden, in denen zu dem Zeitpunkt Flüchtlinge schlafen? Frauen, Männer, Kinder? Kein Problem, die müssen weg. Menschenleben und Menschenwürde scheinen nur für die etwas wert zu sein, die “zu uns” gehören. Also Christen, Deutsche, Weiße.

Dieses “uns”, das bewahrt und geschützt werden soll, ist nicht meins. Ich möchte nicht zu einer Gruppe Menschen gezählt werden, für die es inzwischen zum guten Ton gehört, gegen andere Menschengruppen zu hetzen. Ich möchte nicht zu einer Gruppe Menschen gehören, die es in Ordnung finden, anderen Menschen die Tür vor der Nase zuzuschlagen und Hilfe zu verweigern, nur weil diese Menschen anders scheinen. Ich möchte nicht zu einer Gruppe Menschen gehören, die kein Problem damit haben, die Taten Einzelner sofort auf die Gesamtheit einer anderen Religion oder einer anderen Staatsangehörigkeit zu übertragen, aber sich zutiefst unfair behandelt fühlen, wenn es jemand bei ihnen versucht.

Ich möchte zu einer Gruppe Menschen gehören, die sich bemühen, anderen Menschen vorurteilsfrei und offen gegenüberzutreten. Ich möchte zu einer Gruppe Menschen gehören, die andere Glaubensrichtungen respektieren und das Recht auf freie Religionswahl schützen. Ich möchte zu einer Gruppe Menschen gehören, für die sich der Wert eines Menschenlebens nicht nach Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht oder Religion richtet.

Und wenn es den Zustrom von hunterttausenden Flüchtlingen benötigt, damit sich in unserem Land endlich etwas ändert, dann ist das so. Lasst uns endlich lauter werden als die Stimmen des anderen “uns”. Lasst uns von Toleranz und Menschlichkeit reden, wo andere Hass predigen. Lasst uns Offenheit und Nächstenliebe leben, wo andere versuchen Angst zu schüren. Lasst uns gemeinsam dieses Land zu einem Land machen, das auf gegenseitigem Respekt, Toleranz und Hilfsbereitschaft beruht und dass die Menschenrechte achtet. Lasst uns gemeinsam Menschenwürde wieder zum höchsten und zu einem unantastbaren Gut machen. Denn so steht es nicht umsonst in unserem Grundgesetz.

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