Morphologie — oder wie man Buchstaben einen Sinn gibt

Morphologie — die Lehre der Wortbildung. Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Arten der Wortbildung: die Wortbildung neuer Wörter mittels Derivation, Komposition oder Konversion, d. h. Ableitung neuer Wörter von bestehenden Wörtern, und die Flexion, d. h. die Bildung neuer Wortformen von bestehenden Wörtern (z. B. Pluralform, Konjugation von Verben, Deklination).

Wer meinen Post über Syntax gelesen hat, weiß, dass ich Strukturbäume liebe *hust* Nun, die Morphologie hat ebenfalls Strukturbäume. Ist das nicht herrlich? Nur dass sie diesmal nicht die zugrundeliegende Struktur eines Satzes angeben, sondern die Struktur von komplexen, d. h. zusammengesetzten, Wörtern.

Beispiel: Das Wort Haustür besteht aus den Bestandteilen Haus und Tür. Es wird als Strukturbaum wie folgt dargestellt:

                          N (nominales Determinativkompositum)
                        /     \
                    N       N
                  haus     tür

Wörter werden grundsätzlich in Simplizia (einfache) und komplexe Wortformen eingeteilt. Simplizia lassen sich nicht weiter unterteilen; sie bestehen nur aus einem freien Morphem. Komplexe Wortformen hingegen bestehen aus mindestens zwei Wortbestandteilen ((freie) Morpheme, Affixe) und werden in die Wurzel (ein (freies) Morphem als Basis des Wortes), den Stamm (die Ausgangsform für Flexion, kann eine Wurzel oder eine komplexe Wortform sein) und die Affixe (nicht frei vorkommende Morpheme, in “normalem” Deutsch üblicherweise Vor- oder Nachsilben genannt) unterteilt.

Was ist nun ein Morphem?

Ein Morphem ist die kleinste bedeutungstragende Einheit der deutschen Sprache. Es kommt als freies Morphem, d. h. ein Morphem, das auch alleine stehen kann, oder als gebundenes Morphem, d. h. ein Morphem, das nur in Verbindung mit mindestens einem weiteren Morphem stehen kann, vor.

Beispiel: Das Adjektiv schön ist ein freies Morphem, da es nicht weiter unterteilt werden kann (also die kleinste bedeutungstragende Einheit ist), aber alleine stehen kann. Die deutsche Vorsilbe un- hingegen ist ein gebundenes Morphem (es ist die kleinste bedeutungstragende Einheit, üblicherweise in der Bedeutung “nicht”, bezeichnet das Gegenteil des Stamms), da es nicht alleine stehen kann, sondern mit einem Stamm verbunden werden muss.

Überblick über die Mittel der Wortbildung

Komposition
Ein Kompositum besteht immer aus mindesten zwei freien Morphemen, die in bestimmter Relation zueinander stehen.

Derivation
Bildung eines neuen Wortes mit Hilfe von Derivationsaffixen (z. B. -keit, un-) oder durch innere Ableitung (Basis wird verändert, z. B. trink- vs. Trank).

Konversion
Konvertierung eines Stamms in eine andere Kategorie ohne Veränderungen (z. B. spiel- vs. (das) Spiel). Teilweise wird die Konversion auch als sogenannte Null-Derivation bezeichnet und zur Derivation gerechnet; dann geht man von einem sogenannten Nullmorphem als Derivationsaffix aus.

So, das soll erst mal reichen. Vielleicht gehe ich in einem weiteren Post nochmal in die Tiefe, aber für einen ersten Überblick ist das denke ich mal genug.

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